Schwarzkopf - es kann alle treffen

Beim Umgang mit der Schwarzkopferkrankung bei Puten im landwirtschaftlichen Betrieb geht es vor Allem darum, die Erkrankung durch Hygienemaßnahmen im Griff zu halten, denn eine Behandlung mit Medikamenten bei lebensmittelliefernden Tieren ist nicht zugelassen! Für die Rassegeflügel- und Hobbyhaltung kann sich die Lage allerdings zumindest teilweise etwas anders darstellen. Somit drehen wir noch eine extra Runde zur Schwarzkopferkrankung in dieser Kategorie.

Hier wird mal erläutert was da eigentlich los ist, wenn es heißt: "deine Hühner haben Schwarzkopf"



Erreger

Der Erreger heißt Histomonas meleagridis und kommt weltweit bei allen Hühnervögeln vor. Wassergeflügel ist niemals betroffen.

Histomonaden sind parasitäre Einzeller und können unterschiedliche Gestalt annehmen. Im Darmlumen besitzen sie 1-2 Geißeln und sind beweglich. Im Gewebe nehmen sie eine amöboide Form an und sind unbegeisselt.

Histomonas meleagridis (begeisselt).

In: Mehlhorn H. (2016) Encyclopedia of Parasitology.

Springer, Berlin, Heidelberg


Der Erreger ist ohne Zwischenwirte nicht überlebensfähig und er muss über einen solchen aufgenommen werden, wenn er in den Wirt gelangen will. Sollen durch Histomonas meleagridis anschließend entsprechende Organe geschädigt werden, so muss er in sie eindringen. Dazu besitzt der Parasit, wie schon erwähnt, die Fähigkeit verschiedene Entwicklungsstadien zu bilden und sich im Wirt zu vermehren.


Woher kommt das bloß?

Wie bei allen Krankheiten, würdest du dir bestimmt auch in diesem Fall wieder diese Frage stellen. Diesmal ist es allerdings etwas komplizierter! Der Parasit wird in den meisten Fällen von den Gartenhühnern nicht direkt aufgenommen. Sobald es Tiere in der Freilandhaltung betrifft, ist die Hauptinfektionsquelle meistens die direkte Aufnahme von Wurmeiern oder auch von Regenwürmern, die als so genannte Stapelwirte agieren.


Eintrag über Heterakis gallinarum, einem geflügelspezifischem Pfriemenschwanzwurm

Der Wurm hält sich bei entsprechendem Befall des Huhnes oder der Pute in den Blinddärmen auf und nimmt dort die Histomonaden auf. Diese vermehren sich im Wurm und dringen in die Wurmeier ein. Sie vermehren sich auch in den Wurmeiern. Die Wurmeier werden ausgeschieden und von anderem Geflügel aufgenommen. Aus den Wurmeiern schlüpfen dann im neuen Wirt die Wurmlarven und gleichzeitig werden die Histomonaden wieder freigesetzt. Sie siedeln sich dann in den Blinddärmen an und gelangen von dort auch in die Leber und andere Organe.


Regenwürmer stellen ein besonderes Problem dar

In einem Regenwurm herrschen so günstige Bedingungen, dass die Pfrimenschwanzlarven in ihnen schlüpfen und sich dort ansammeln. Es werden dann Unmengen an Histomonaden im Regenwurm frei (Sammelwirt).


Vermutlich kommt es hin und wieder aber auch durch andere Vektoren zur Infektion. Denn auch Käfer, Fliegen, Nacktschnecken und Schadnager können wohl Wurmeier aus dem Außenbereich in den Stall eintragen. Einzelne Nachweise sind immer wieder vorhanden. Somit kann es auch in Ställen ohne Auslauf zur Infektion kommen.

In den Wurmeiern können Histomonaden in feuchtem Boden bis zu 2 Jahre außerhalb eines Wirtes überdauern!


Symptome

Bemerkst du die Symptome erstmals, so kannst du davon ausgehen, dass es ca. 10-14 Tage zuvor zur Infektion gekommen ist. Solange dauert ungefähr die Inkubationszeit. Betroffene Tiere leiden sehr. Bis zu 100 % der Tiere können völlig apathisch sein, verschließen die Augen, haben ein struppiges Gefieder und setzen schwefelgelben Kot ab.

Gefahr herrscht besonders bei Jungtieren oder immungeschwächten Tieren.

In der Regel zeigen Puten die schwersten klinischen Symptome und die höchsten Verluste. Aber auch bei Hühnern kann es zu Problemen kommen.


Diagnose

Klinische Symptome inklusive des schwefelgelben Kotes führen immer sofort zur Verdachtsdiagnose.

Ein erster Hinweis: Schwefelgelber Kot befindet sich am Gefieder des Huhnes

Die Blinddärme sind hochgradig entzündet und die Darmwände deutlich verdickt. Im Inneren ist gelbes festes Fibrin (Entzündungsmaterial) zu sehen.

Über das Pfortadersystem gelangt der Erreger in die Leber und es zeigen sich deutliche Nekroseherde. Bei Hühnern sind diese Nekrosen in den Lebern nicht in jedem Fall zu finden. In diesen Fällen ist in der Regel ein milderer Verlauf zu erwarten. Ausgeschlossen sind Leberveränderungen jedoch bei Hühnern keineswegs, wie du auf den Fotos unten erkennen kannst. In diesem Fall war eine Gruppe Seidenhühner hochgradig betroffen. Leider konnte keines der sieben Küken überleben.

Die Absicherung der Diagnose sollte immer durch eine PCR-Untersuchung in einem

geflügelspezifischen Labor erfolgen.


links: Veränderungen der Leber bei einem Seidenhuhn 3 Wochen alt

rechts: Lebernekrosen und Ansammlung von Entzündungsmaterial in beiden Blinddärmen

(einer eröffnet) ebenfalls von einem Seidenhuhn stammend.




Behandlung


Sobald Eier oder Fleisch für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, können die Tiere nicht behandelt werden. Es sind in der EU und in der Schweiz keine Medikamente zugelassen!

Beim Ziergeflügel bzw. "Heimtier" ist es möglich eine Behandlung mit Imidazolen durchzuführen. In der Regel werden diese umgewidmet. Dein behandelnder Tierarzt klärt dich aber in jedem Fall über die Anwendung auf und gibt dir genaue Anweisungen zur Dosierung. Die Wirkung ist gut und kann je nach Erkrankungsstadium auch zur Gesundung der Tiere führen.


Begleitende Maßnahmen sind oftmals entscheidend für den weiteren Verlauf der Erkrankung bzw. für die Vermeidung einer Reinfektion. Allerdings wirst du hier unter anderem ziemlich drastische Maßnahmen lesen, die teils mit enormem Aufwand verbunden sind. Es bleibt natürlich dir selbst überlassen, was davon du umsetzt.

· Entwurmung gegen Heterakisbefa

. Bekämpfung von Fliegen, Schnecken und Schadnagern

· Trennung der Tiere nach Altersgruppen

· Schuhwechsel

· Tägliches Misten und Einstreuen zur Entfernung des infektiösen Kotes im Stallbereich

· Einsatz von Oregano zur Unterstützung der Darmflora

· Auslaufeinrichtung entfernen bzw. neu einrichten.

· Nutzung eines zweiten Auslaufes für die nächsten 2 Jahre

· Abtragung der oberen Erdschicht im Auslauf

· Umstallung der Tiere


Prophylaxe

Was du tun kannst, damit deine Hühner oder Puten im Garten keine Probleme mit Schwarzkopf bekommen:

Am wichtigsten ist das regelmäßige Entwurmen!!! Die Präparate werden in der Regel vom Tierarzt so abgegeben, dass die Dosierung pro Liter Tränkewasser erfolgt. Das ist also sehr einfach und erspart einem viel Ärger. Die meisten Präparate wirken gegen verschiedene Arten von Geflügelwürmern und so ist die Entwurmung in vielerlei Hinsicht ratsam.

Machs einfach! Die Kosten halten sich echt in Grenzen! Der Ärger mit Würmern in Huhn und Ei auch ;)

Außerdem ist die gemeinsame Haltung von Hühnern und Puten nicht zu empfehlen. Hühner haben besonders im Legealter auch öfter mal keine Symptome und sind trotzdem „Schwarzkopf positiv“. Sie könne Puten infizieren, die dann fast immer mit schwerer Symptomatik erkranken.


Fazit

Schwarzkopf kann bei allen Hühnervögeln zu sehr schmerzhaften klinischen Verläufen führe. Beim Huhn können auch mildere klinische Symptome auftreten. Jungtiere bleiben aber in so einem Bestand zukünftig immer wieder gefährdet. Zur Absicherung der Diagnose sollte immer eine pathologische Untersuchung durchgeführt werden. Die Sanierung der Gruppe ist langwierig und verlangt aufwendige Hygienemaßnahmen von dir. Zur Vorsorge sollte die regelmäßige Entwurmung sowie die Bekämpfung von Fliegen, Schnecken und Schadnagern in der Nähe deiner Hühner selbstverständlich sein. Der prophylaktische Aufwand ist im Vergleich zu den Maßnahmen bei einem positiven Nachweis nämlich dermaßen gering, dass du dich später nur ärgern wirst.


Und falls du noch mehr Infos zur Bekämpfung haben willst, schau doch mal in den Beitrag über Schwarzkopf bei Puten.


Und noch ein Tipp:

Wenn Du Lust hast, dann lade Dir doch mein kostenloses Stallbuch für Deine Hühner, Wachteln oder Puten herunter. Den Link dazu findest Du hier.

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