​​Schwarzkopf bei der Pute - Hygiene statt Heilung

In den vergangenen Jahren haben die Fallzahlen der Schwarzkopf-erkrankungen weltweit deutlich zugenommen. Dabei sind sowohl Aufzucht als auch Mastbetriebe betroffen, wobei mehrere Betriebe Ausfälle bis zu 100 % aufwiesen. Grund genug für uns, um ein paar Fakten und Infos zur Schwarzkopferkrankung zusammenzufassen.


Der Erreger

Bakterium, Virus… Fehlanzeige. Bei Histomonas meleagridis haben wir es mit einem Parasiten zu tun. Es handelt sich um einen Einzeller. Ein sogenannter Flaggelat, welcher eine Geißel besitzt und beweglich ist. Was bedeutet das nun für unsere Puten?

Der Erreger ist ohne Zwischenwirte nicht überlebensfähig und er muss über einen solchen aufgenommen werden, wenn er in die Pute gelangen will. Über die Luft kann er sich also nicht verbreiten. Sollen durch Histomonas meleagridis anschließend entsprechende Organe geschädigt werden, so muss er in sie eindringen, dazu besitzt er die Fähigkeit verschiedene Entwicklungsstadien zu bilden und sich in der Pute zu vermehren.




Entwicklung

Für die indirekte Übertragung findet sich in der Literatur der Eintrag über Heterakis gallinarum, einem geflügelspezifischem Fadenwurm, als Vektor. Der Wurm hält sich bei entsprechendem Befall des Huhnes oder der Pute in den Blinddärmen auf und nimmt dort die Histomonaden auf. Diese vermehren sich im Wurm und dringen in die Wurmeier ein. Sie vermehren sich auch in den Wurmeiern. Die Wurmeier werden ausgeschieden und von anderem Geflügel aufgenommen. Aus den Wurmeiern schlüpfen dann im neuen Wirt die Wurmlarven und gleichzeitig werden die Histomonaden wieder freigesetzt. Sie siedeln sich dann in den Blinddärmen an und gelangen von dort auch in die Leber und andere Organe.

Vermutlich kommt es aber auch durch andere Vektoren zur Infektion. Denn auch Käfer, Fliegen, Nacktschnecken und Schadnager können wohl Wurmeier aus dem Außenbereich in den Stall eintragen. Einzelne Nachweise sind immer wieder vorhanden.

Regenwürmer stellen ein besonderes Problem dar, denn in einem Regenwurm herrschen so günstige Bedingungen, dass die Fadenwurmlarven in ihnen schlüpfen und sich dort ansammeln. Es werden dann Unmengen an Histomonaden im Regenwurm frei (Sammelwirt).

Generell kann also mit jedem Eintrag von Erdmaterial mit oder ohne Vektoren (z.B. am Strohballen oder an den Trekkerreifen) eine Eintragsmöglichkeit sein. Oftmals ist die Eintragsquelle aber unklar und lässt sich schwer nachvollziehen.

In den Wurmeiern können Histomonaden in feuchtem Boden bis zu 2 Jahre außerhalb eines Wirtes überdauern! Mit diesen Fähigkeiten haben Histomonaden es zu einer weltweiten Verbreitung gebracht.

Mehlhorn H. (2016) Histomonas meleagridis

In: Mehlhorn H. (eds) Encyclopedia of Parasitology.

Springer, Berlin, Heidelberg


Kennzeichen der Schwarzkopferkrankung

Ist die Herde an Schwarzkopf erkrankt so können sich nach ca. 12-14 Tagen die ersten Verluste zeigen, die übrigen Tiere sind häufig hochgradig apathisch, zeigen ein wüstes Federkleid und stehen kaum auf oder bewegen sich nur mäßig sobald man in ihre Nähe kommt.

Die Mortalität schwankt jedoch zwischen 1-100 %. Das heißt es gibt durchaus auch Fälle, in denen die klinischen Symptome kaum bemerkbar machen. Vermutet wird, dass der Zeitpunkt des Bemerkens der Infektion bzw. der Beginn der Bekämpfungsmaßnahmen eine wichtige Rolle spielt. Gerade deshalb ist es besonders für Tierhalter und Tierärzte wichtig erste Hinweise richtig zu deuten.

Kennzeichnend ist auch der schwefelgelb aussehende Kot, welcher sich in der Einstreu findet.

Die Blinddärme sind hgr. entzündet und die Darmwände deutlich verdickt (s. Bild). Über das Pfortadersystem gelangt der Erreger in die Leber und besonders bei Puten zeigen sich deutliche Nekroseherde wie auf dem Bild dargestellt. Bei Hühnern sind diese Nekrosen in den Lebern oftmals nicht zu finden, was auf einen deutlich milderen Verlauf der Krankheit hindeutet.


Nekrosen in der Leber
Entzündungsprozesse in den Blinddärmen

Diagnose

Für eine eindeutige Diagnose müssen die Tiere vom betreuenden Tierarzt untersucht und entsprechendes Probenmaterial ins Labor gebracht werden. Die Diagnose erfolgt durch die pathognomonischen Kennzeichen der Erkrankung in der Sektion und wird durch eine Laboruntersuchung bestätigt (Dauer 24-48 Std.)


Was kann der Tierarzt tun?

Vorne weg nur soviel… es gibt zurzeit keine Therapiemöglichkeiten in der EU! Somit kann der Tierarzt in diesem Fall keine schnelle Lösung für das Problem liefern. In naher Zukunft wird sich das wohl auch nicht ändern, da die früher zugelassenen Therapeutika als für den Verbraucher lebensmittelhygienisch bedenklich eingestuft wurden. Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten können bei frühzeitiger Entdeckung der Krankheit durch den Tierarzt durchgeführt werden und versprechen Linderung der Symptome bzw. können die Verluste verringern. Das bedeutet also, dass die Unterbrechung der Infektionskette nur durch Verbesserungen der Betriebshygiene und Schutzmaßnahmen des Restbestandes unterbrochen werden kann. Wichtig ist dabei ein strategisches Vorgehen in intensiver Zusammenarbeit mit dem Landwirt.



Was kann der Landwirt tun?

Bestandsbetreuenden Tierarzt hinzuziehen und durch intensive Zusammenarbeit jeweils die nächsten Schritte planen um den Verlauf der Erkrankung zu kontrollieren.

Tägliches nachstreuen ist unbedingt erforderlich und erfahrungsgemäß hilfreich um eine Erregerabdeckung zu erzielen, welche die Verbreitung hemmt.

Betroffene Ställe müssen von nicht betroffenen Ställen soweit möglich isolieren.

· Das heißt zusätzliches Personal für die Betreuung der Tiere

· Einmalkleidung

· eigene Gerätschaften

· Fahrzeuge reinigen und desinfizieren/gesonderte Fahrzeuge verwenden

· möglichst keine sich kreuzenden Wege bezüglich der Traktoren etc.

· Schadnagerbesatz professionell kontrollieren lassen

· Getreideschimmelkäfer regelmäßig bekämpfen

· Kontrolle Schneckenbesatz

· Kontrolle Fliegen – während des Durchgangs und in der Servicezeit

· Gründliche Reinigung mit Schaumreinigern und Desinfektion in der Servicezeit (inkl. Gerätschaften, Beschäftigungsmaterialien, Kükenringe, Stiefel, Handschuhe etc.)

· Beratung und Durchführung der Desinfektion durch professionelles Reinigungsunternehmen

· Kontrolle der Abflüsse, Pfützen, Torbereiche nach Reinigung und Desinfektion (Würmer, schnecken, Käfer?)




FAZIT

Problematisch ist vor allen Dingen, dass der genaue Erregereintrag in den Bestand so gut wie nie zurückverfolgt werden kann. Wer von der Schwarzkopferkrankung betroffen ist muss unbedingt verstärkt auf Hygienemaßnahmen in seinem Betrieb achten. Das Risiko einer Reeinfektion durch Erregeraufkommen im Außenbereich des Betriebes ist als besonders hoch einzuschätzen.


Schwarzkopf im Putenbestand bedeutet immer: Es steht dir ein enormer Aufwand bevor! … aber es kann sich, hinsichtlich eines Totalverlustes deines Durchgangs, häufig lohnen!


So bleibt es dabei:


Die Kontrolle über die Erkrankung zu behalten ist das einzige Ziel


Sollte dich auch der Umgang mit der Erkrankung beim Rassegeflügel interessieren, schau doch mal hier rein.

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