Die Rote Vogelmilbe - Was tun wenn der Stall befallen ist?


Plötzliche Todesfälle bei deinen Hühnern und Wachteln oder auch im Taubenschlag erscheinen im ersten Moment rätselhaft und häufig ist zunächst keine Ursache zu finden. Doch in vielen Fällen heißt das ganz eindeutig: Die rote Vogelmilbe ist auch in deinem Stall angekommen!

Die meisten Geflügel- und Taubenhalter kommen irgendwann in Kontakt mit dem blutsaugenden Parasiten. Doch wie kommen die Milben zum Wirt, warum sind sie so gefährlich und was kann man dagegen tun? Die Antworten auf diese Fragen und viele weitere Infos erfährst Du hier.

Milben erkennen

Dermanyssus gallinae - Ein schöner Name für einen so gemeinen Räuber, der zu den der zu den Spinnentieren gehört– Er hat einen ovalen Körper, 8 Beine und scharfe Mundwerkzeuge mit denen er die Haut eröffnen und Blut saugen kann. Die Körpergröße verdoppelt sich vollgesaugt auf 2 mm. In diesem Zustand bekommen die Milben auch ihre rötliche Färbung… und ganz ehrlich: erst dann kannst Du sie überhaupt mit bloßem Auge erkennen. Findest Du graue Kolonien, so sind zwar Milben vorhanden, aber sie haben schon länger kein Blut zu sich genommen (kommt z. B. im unbelegten, nicht gereinigten Ställen vor), das ist aber kein Problem, denn die Parasiten könne bis zu 9 Monate ohne Blutmahlzeit auskommen und werden dann wieder aktiv.

Wie kommen Milben an ihr Ziel?

Zur Wirtsfindung besitzen die Milben feine Sinneshaare im Bein und Mundwerkzeugbereich. Sie enthalten Rezeptoren, die geruchs-, wärme- und bewegungssensitiv sind (Kilpinen et al. 2002). Früher oder später gelangen die Spinnentiere so zu ihrem Wirt bzw. Fehlwirt, doch dazu später mehr.

Symptome

Die Tiere im Stall werden immer unruhiger und bekommen häufig ein schlechteres Federkleid, da sich Hautentzündungen bilden, die zusätzlich auch noch bepickt werden. Der Stress für die Tiere ist enorm. Jede Nacht werden sie von den Milben befallen und weiter geschwächt. Es kommt zu Leistungsabfällen und zur Anämie (Blutarmut). Typisches Merkmal für eine so entstandene Blutarmut sind blasse Kämme. Früher oder später droht der Tod durch den Blutverlust. Bei explosionsartiger Vermehrung werden die Tiere so stark belastet, dass plötzliche Todesfälle häufig vorkommen.

Übertragung von Krankheiten

Milben sind, wie viele andere Parasiten auch Überträger von Krankheiten und können neben dem Blutsaugen und den entsprechenden Folgen, noch viele andere Schäden anrichten. Aus Milben hat man bereits verschiedene Erreger, wie z.B. Salmonellen, Escherichia coli oder Pasteurellen isoliert.

Milben auf Abwegen – Menschen und Säugetiere als Fehlwirte

Generell landet die rote Vogelmilbe, vor Allem bei starkem Befall, gerne einmal auf dem falschen Wirt. Beim Menschen kommt es zur „Vogelhalter-Krätze“, einem typischen Krankheitsbild bei Milbenbefall. Die Übertragung erfolgt häufig beim Eier sammeln, wenn die Milben tagsüber im Nest in der Nähe oder auf den Eiern sitzen. Außerdem können die Milben, ähnlich wie Zecken, Borreliose-Überträger für den Menschen sein.

Auch andere Tiere, wie Kaninchen oder Pferde können als Fehlwirt in Frage kommen. Sie zeigen dann eine schlechte Fellqualität, Juckreiz und Haarausfall. Sind bei solchen Symptomen Hühner in der Nähe, dann lohnt sich also eine Untersuchung auf Milbenbefall.

Auf der Suche nach dem Übeltäter

Du hast zwar tote Tiere gefunden, aber die Milben siehst Du nirgends? Das ist nicht verwunderlich. Nachdem die nachtaktiven Blutsauger sich ca. eine halbe Stunde vollgesaugt haben verlassen sie den Wirt wieder und ziehen sich tagsüber komplett zurück. Das jeweilige Versteck wird dann mit Pheromonen gekennzeichnet so dass sich Kolonien bilden und die Vermehrung dort stattfinden kann. (Liebisch et al. 2003)

Auf den Tieren findest Du somit in der Regel keine einzige Milbe!

Das heißt, du musst den ganzen Stall nach den Blutsaugern absuchen und ihre Nester bzw. Kolonien finden.

Das kannst du tun um den Verdacht zu bestätigen:

  • Bevorzugte Verstecke sind alle Ritzen und Zwischenräume im Stall. Im Bereich der Sitzstangen und auch in der Einstreu (in Strohhalmen) können sich ebenfalls Milben niederlassen. Kontrolliere die entsprechenden Stellen im Stall auf Milbenkolonien!

  • Befestige doppelseitiges Klebeband an der Sitzstange, wenn die Milben den Wirt erreichen wollen müssen sie sich darüber fortbewegen. So bekommst du am nächsten Morgen Gewissheit und auch einen ungefähren Überblick über den Grad des Befalls.

Milbenbekämpfung – jeder Tag zählt!

Gelingt es dir den Verdacht zu bestätigen, dann heißt es schnellstmöglich eine Milbenbekämpfung durchzuführen! Jeder Tag macht den Befall deutlich schlimmer.

Die Bekämpfung der roten Vogelmilbe ist vor allem in den Sommermonaten eine Herausforderung! Ab 25 °C schlüpfen schon nach 1,5 Tagen neue Larven, die in wenigen Tagen Erwachsen sind und wiederum Nachwuchs produzieren. Bei Hühnern, Wachteln und Tauben kommt es somit besonders im Frühjahr und im Sommer häufig zu einem explosionsartigen Milbenbefall.

Bei 10 °C beträgt die Dauer dieses Entwicklungszyklus ca. 10 Tage. Ist es draußen kälter als 10 °C stagniert die Vermehrung der Milben.

Das Problem ist nur, dass die Eier ohne Probleme monatelang, auch bei Frost, im Stall überstehen. So oder so solltest Du regelmäßig eine Milbenbekämpfung durchführen, doch dazu später mehr.

Was ist also bei akutem Befall zu tun?

In jedem Fall solltest Du den gesamten Stall ausräumen und reinigen. Anschließend gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Bekämpfung. Allerdings auch mit unterschiedlicher „Durchschlagskraft“.

Zunächst seien Mittel erwähnt, die du im belegten Stall anwenden kannst. Das heißt, nach der Stallreinigung kannst du sie mit einer Rückenspritze in Ruhe ausbringen. Es empfiehlt sich alle Nester, aber auch den gesamten Stall zu besprühen. Die Tiere können sofort danach wieder in den Stall. Die Präparate sind frei verkäuflich und können beim Tierarzt oder direkt im Handel vom Tierhalter erworben werden.

Aber Achtung! Es gibt ebenfalls Mittel auf dem Markt, die für die Tiere unverträglich sind und eine längere Leerstandszeit erfordern.

Bist du dir unsicher was du da gerade in der Hand hast, lohnt es sich Rat beim Tierarzt zu holen, ansonsten können die Tiere erkranken.

Zusätzlich kannst Du Kieselgur verwenden. Es wirkt mechanisch und ist in der Lage den äußeren Panzer der Milben zu eröffnen. Dadurch kommt es zur Austrocknung und der Befall bzw. die Vermehrung der Milben wird eingedämmt. Die Ausbringung erfolgt entweder als Pulver, mit einer Pulverflasche, mit einem Pulversäckchen oder du wählst die flüssige Variante. Kieselgur wird dann in einer Rückenspritze in Wasser aufgelöst und im ganzen Stall verteilt. Alle Ritzen und Fugen sind dabei unbedingt mit einzusprühen. Die Wirkung ist gut, aber Eier und Larven werden dadurch nicht beeinträchtigt.

Kommt es häufiger zu Problemen mit Milben so kann die Wirksamkeit chemischer Mittel gegen die Parasiten deutlich nachlassen. Dann empfiehlt sich der Einsatz eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels, welches Du direkt am Tier einsetzen kannst. Das hat viele Vorteile und eine hohe Wirksamkeit. Die Anwendung erfolgt über das Trinkwasser. Die Milben werden nach Aufnahme des Mittels 14 Tage lang abgetötet sobald sie auf dem Tier sitzen und mit dem Blutsaugen beginnen. Das ist über einen Entwicklungszyklus lang! Nach 7 Tagen erfolgt eine zweite Gabe des Arzneimittels über das Trinkwasser. Bei dieser werden alle Milben abgetötet, die während der ersten Behandlung noch als Eier oder Larven im Stall waren und nun herangewachsen sind (MSD Tiergesundheit). Der Befall reduziert sich somit in der Regel drastisch und den Tieren geht es innerhalb von 7-10 Tagen wieder richtig gut. Das Arzneimittel ist nur beim Tierarzt erhältlich und verschreibungspflichtig. Vor allem in größeren Betrieben ist es allerdings wegen der einfachen und effektiven Anwendung beliebt.

Prophylaxe

Die Vorbeugung beruht grundsätzlich auf der regelmäßigen Reinigung und Desinfektion des Hühnerstalles!

Dabei solltest Du nicht nur den Stall, sondern auch alle Gerätschaften und Einrichtungsgegenstände gründlich mit in deine Maßnahmen einbeziehen.

Alle Verschmutzungen müssen ausnahmslos gelöst werden.

Problematisch ist dabei die Entfernung von getrocknetem Kot. Essig kann das Problem in der Regel lösen.

Nach der Trocknung solltest Du immer alle Ritzen und Löcher mit Silikon verschließen, hier siedeln sich Milben, wie erwähnt, besonders gern an.

Das Kalken der Oberflächen wirkt desinfizierend und verschließt zusätzlich die Oberflächen.

Zusätzlich kann man Lavendel im Stall bzw. in den Nestern verwenden. Der Lavendelgeruch wirkt abschreckend auf die Milben und verhindert die Ansiedlung von Kolonien. Bei akutem Befall ist die Wirkung allerdings nicht ausreichend.

Ein wichtiger Punkt bei der Prophylaxe ist auch die richtige Auswahl der Einstreu. Strohhalme bieten ideale Verstecke für Milben und können massenhaft besetzt sein. Dementsprechend solltest Du dir eventuell überlegen ob Du nicht ein anderes Einstreumaterial wie Hobelspäne, Dinkelspelzen oder Strohpellets nutzen willst. Darin gibt es keine Möglichkeiten zum Aufenthalt von Milben.

Fazit

Die rote Vogelmilbe macht früher oder später mit jedem Geflügel- und Taubenhalter Bekanntschaft. Es gilt bei akutem Befall schnell zu handeln und die Behandlung in jedem Fall zu wiederholen. Bei der Prophylaxe heißt es wie fast immer: Hygiene hilft! Du solltest den Stall also immer regelmäßig reinigen und natürlich deine Tiere genau im Auge halten, dann spielen Milben bestimmt bald keine große Rolle mehr.

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