Mykoplasmen - Ein Risiko für den ganzen Bestand


Mykoplasmen sind wohl eine der gefürchtetsten Bakterienarten in der Geflügelhaltung. Vor Allem die Vorbeugung spielt eine große Rolle, da die Sanierung von Beständen problematisch ist. Es lohnt sich also mal genauer hinzuschauen wie Übertragung und Verlauf von Mykoplasmen-Infektionen erfolgen und was bei einem Verdacht zu tun ist


Mykoplasmen sind weltweit verbreitet und sorgen für schwere Schäden bzw. Verluste in der betroffenen Haltung. Im Wirtschaftsgeflügelbereich ist die Verbreitung gering, da konsequenter ein Rein-Raus-Verfahren angewandt werden kann. Im Hobbygeflügelbereich sind jedoch viele Haltungen latent infiziert und machen so immer wieder Probleme. Die Mykoplasmose kann durch verschiedene Arten von Mykoplasmen verursacht werden. Von den über zwanzig verschiedenen Arten, die beim Vogel bekannt sind spielen bei Huhn und Pute nur vier eine Rolle:


Mykoplasma gallisepticum (MG)

Mykoplasma synoviae (MS)

Mykoplasma iowae (MI)

Mykoplasma meleagridis (MM)


Klinisch bedeutsam sind in den meisten Fällen vor Allem MG und MS, daher werden diese im Folgenden auch nochmal näher erläutert.



Der wichtigste Verbreitungsweg sind wie schon erwähnt chronisch kranke und latent infizierte (symptomlose) Tiere.

Eine Übertragung findet oft durch Wildvögel und dann weiter innerhalb einer Gruppe von Tier zu Tier statt. Hühner oder Puten werden infiziert, scheiden Mykoplasmen aus, zeigen jedoch sehr häufig keine Symptome bis sie in Stresssituationen geraten. Das kann z.B während der Umstallung, der Mauser, einer neuen Gruppenzusammenstellung, durch fütterungsbedingten Proteinmangel oder durch Zukauf bzw. Transport der Fall sein.

Die Verbreitung erfolgt jedoch nicht nur horizontal von Tier zu Tier sondern auch vertikal vom Huhn auf das Küken und ist somit, aus Sicht der Mykoplasmen, sehr effizient. Küken die aus den Eiern einer positiven Henne schlüpfen sind somit direkt positiv und in der Lage andere Tiere anzustecken.

Neben diesen eher direkten Infektionswegen kommt es auch zu einer Verbreitung über die Luft, Parasiten, Kot, Wasser oder auch durch den Menschen.


Mykoplasma gallisepticum (MG)

Die Infektion mit MG ist häufiger in der Hobbygeflügelhaltung anzutreffen. Klinisch kommt es bei akuten Fällen dann zu Entzündungen der oberen Atemwege und des Legedarms. Nicht selten schließen sich weitere bakterielle Infektionen aufgrund der Immunschwäche an und es kommt zu geschwollenen Köpfen, Nasenausfluss, Todesfällen und schlechter Schlupfrate. Die Tiere schnupfen, haben schaumigen Augenausfluss, Atemwegsgeräusche und sind apathisch. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, die speziell gegen Mykoplasmen wirksam sind und die Symptome lindern. Die Ausscheidung kann jedoch häufig leider nicht aufgehalten werden.


Symptom von Mykoplasma gallisepticum: erhöhte Embryonalsterblichkeit

Mykoplasma synoviae (MS)

Die MS Infektion kann in einer Gelenksform oder eine Atemwegsform auftreten. Dementsprechend zeigen sich auch die Symptome. Es kann zu Lahmheiten und Gelenksentzündungen, sowie Sehnenscheidenentzündungen kommen. Außerdem sind deutliche Atemwegsgeräusche und Nasenausfluss möglich. Gerne treten auch andere Erreger in Kombination mit MS auf und verschärfen den klinischen Zustand der Tiere.


Gelenksentzündung

Was tun bei Mykoplasmen Verdacht?

Mykoplasmen verbreiten sich in einem Bestand wie ein Lauffeuer. Sobald ein Verdacht aufgrund klinischer Symptome besteht, sollte umgehend eine Untersuchung eingeleitet werden. Diese ist abhängig vom Impfstatus der Tiere (mehr zur Impfung erfährst du gleich). Durch die Untersuchung von Blutproben, kann bei ungeimpften Tieren festgestellt werden ob sie mit dem Erreger in Kontakt waren.

Um eine Infektion von geimpften Tieren festzustellen werden zwei Blutproben im Abstand von 14 Tagen genommen. Kommt es zu einem Antikörperanstieg so kann man von einer akuten Infektion ausgehen.


Will man nicht nur Antikörper gegen den Erreger, sondern die Mykoplasmen selbst nachweisen, so werden Tupfer aus der Luftröhre genommen und mit der so genannten PCR Methode untersucht. Hierbei kann man auch unterscheiden ob es sich um MG oder MS handelt.


Eine Impfung gegen Mykoplasmen ist wie schon erwähnt möglich. Sie kann die Übertragung von Elterntieren auf Küken reduzieren, Atemwegssymptome vermeiden, die Legeleistung stabilisieren. Die Tiere werden ab der 7. LW geimpft und werden zur Grundimmunisierung ein zweites Mal geboostert. Eine Auffrischung kann dann einmal jährlich erfolgen. Die Kosten sind jedoch beträchtlich, so dass die Impfung in der Hobbyhaltung eher selten durchgeführt wird. Letztendlich kann die Impfung allerdings auch nicht vor einer Infektion schützen.


Der Tierarzt wird nach der Diagnose über das weitere Vorgehen entscheiden und die betroffenen Tiere antibiotisch, mit mykoplasmenwirksamen Mitteln, versorgen. Der Rest der Herde sollte ebenfalls behandelt werden, um den Erregerdruck zu senken. Es empfiehlt sich außerdem eine Herdenuntersuchung durchführen zu lassen. Sollte ein Befund positiv sein, ist mit diesen Tieren am besten kein Nachwuchs mehr zu erzeugen. Denn es kann, wie schon erwähnt, keine Erregerfreiheit der Tiere und der Eier gewährleistet werden. Will man die betroffene Herde nicht ganz aufgeben, so müsste die Gruppe bleiben wie sie ist. Keine Nachzucht, keine Zukäufe. Stress müsste vermieden werden und der Kontakt zu anderen Hühnerhaltern ebenfalls. Trotzdem würde es immer wieder zu klinischen Symptomen und gesundheitlichen Problemen kommen. Der Aufwand ist enorm groß und Verluste durch Sekundärinfektionen sind wahrscheinlich.


So wird letztendlich wohl jedem schnell klar, dass die Vorbeugung der Mykoplasmen- Infektion essentiell für einen gesunden Bestand ist.

Will man konsequent einen mykoplasmenfreien Bestand aufbauen, dann ist bei Neuzugängen die Quarantäne inklusive einer Untersuchung auf Mykoplasmen immer ratsam, so können auch symptomlose Tiere erkannt werden bevor sie in den Bestand kommen und man erspart sich eine Menge Ärger.



Besonders wichtig ist es auch generell entsprechende Biosicherheitsmaßnahmen für´s Hobbygeflügel einzuhalten. Wie das genau in deinem Garten funktionieren kann, solltest du dir unbedingt hier durchlesen.



Fazit

Mykoplasmen im Bestand zu haben wird dir schnell den Spaß an der Hühnerhaltung nehmen. Es werden ständig Situationen auftreten in denen deine Hühner erkranken. Verluste sind nicht unwahrscheinlich, da Sekundärinfektionen sehr häufig sind. Die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen lohnt sich also, vor allem wenn du Nachwuchs planst oder deinen Bestand noch aufstocken möchtest. Aber auch ohne diese Pläne ist die Infektion unbedingt zu vermeiden, um deinen Tieren gesundheitliche Probleme zu ersparen.



Und noch ein Tip:

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